Highlights

Da es wieder so anhaltend heiß ist, obwohl der Sommer in den letzten Zügen liegt, muss der Teich regelmäßig nachgefüllt werden, was die Fische nach oben treibt. Die Schar ist vollzählig.

Der Garten „lebt“.
Winzige Grasfrösche hüpfen durch die Wiese, Libellen umschwirren den Teich, Grün- und Buntspechte klopfen um die Wette. Eichelhäher bringen das Wasser der Feuerschale zum Überlaufen, wenn sie ihre Federn waschen.

Der vorläufig letzte Termin mit Herrn Gregori steht an. Wir wollen zusammen essen.
Wie gewohnt streifen wir durch den neuen Garten und Herrn Gregori entgeht nicht ein Pflänzchen, das ich gesetzt habe.

„Es könnte sein, dass die Fingerhüte nächstes Jahr nicht blühen werden, da sie nur zweijährig sind“, warnt er mich beiläufig.
Sein Blick hat sich auf eine Gruppe von Schattenstauden geheftet, die ich erst  kürzlich gepflanzt habe.
„Und hier unter der Fichte gehört Waldgeißbart hinein“, erinnert er mich.
Waldgeißbart-Pflanzen sind nur unter Anstrengungen zu teilen, da die Staude ein überaus kräftiges Wurzelwerk hat.
Waldgeißbart ist allerdings eine Zierde für den halbschattigen Garten, da er auch nach der Blüte mit frisch grünem Laub brilliert bis weit in den Herbst hinein.

Wir sind am Teich angelangt. Herr Greogori zeigt mir, wie ich Ableger von Pfennigkraut in die Ritzen zwischen den Flusssteinen stecken kann. Er rät mir noch zu Polsterstauden wie Steinnelke, Kamille oder Mauerpfeffer, damit sich die Lücken zwischen den Steinen schließen können.

Der Signalton des Backofens beendet die Inspektion.
Frank nimmt das heiße Blech aus dem Ofen und richtet die Teller an.
Es ist auf der Terrasse gedeckt, ein paar schlichte Blumen im Glas schmücken das weiße Leinentuch, ich zünde ein Windlicht an.

Abwesend nimmt Herr Gregori einen Bissen des frisch gebackenen Zwiebelkuchens zu sich, dann richtet sich sein Blick gezielt auf die hohe Fichte in Terrassennähe, durch deren schütteres Geäst im Unterholz das Weiß der angrenzenden Nachbarsgarage schimmert.

„Hier fehlt noch etwas.“ Herr Gregori ringt einen Moment nach Worten. „Christrosen würden vielleicht ganz gut passen, Maiglöckchen und Akeleien…,“ Herr Gregori stockt kurz und beendet den Satz mit energischer Betonung, „…und natürlich Blumenzwiebeln! Sie müssen noch kräftig Blumenzwiebeln setzen, damit es im Frühjahr schön blüht. Aber dafür brauchen Sie einen Helfer.“ Herr Gregori sieht mich durchdringend an.
„Mein Helfer sitzt mir gegenüber“, lache ich und blicke auf Frank.
Herr Gregori schmunzelt und meint überzeugt. „Oh nein. Hier muss ich solidarisch sein. Blumenzwiebeln setzen ist nichts für einen Mann.“
Nachdenklich schweige ich.

„Sie sollten Wildformen wählen“, fährt Herr Gregori ungerührt fort. „Wildkrokusse, Märzenbecher und Muscari. Und hier in die Blumenwiese können Sie Wildtulpen stecken.“ Er schaut auf den Flecken Wiese, in dem noch wilder Thymian und die letzten Herbstkrokusse blühen.

„Unter der großen Fichte könnte ich eigentlich Frühlingsanemonen einpflanzen“, setze ich die Überlegung fort und Herr Gregori ergänzt,… „und Scilla und Schneeglöckchen. Auch um den Flieder herum und um all die Obstbäume!“ Sein rechter Arm deutet einen Kreis mit beachtlichem Radius an.
Ich kann beruhigt sein, dass es neue Highlights geben wird, die allerdings naturgemäß in nichts als in Arbeit ausarbeiten werden.

Zum Ausgleich ist eine Aktion fällig, damit der Garten nicht zur Sucht wird.
Dieses Mal haben wir einen kleinen Abstecher ins Tölzer Land geplant nach Bad Heilbrunn, um einen Kräutererlebnispark zu besuchen und anschließend das Kloster.
Die Klostergärtnerei ist es in Wahrheit, die mich anzieht.

Der Kräuterlebnispark ist hübsch anzusehen mit seinen vielfältigen Kräutern, Duft- und Blühpflanzen, dem Biotop-Weiher und den Bienenhotels.
Weiter geht’s ein paar Kilometer entfernt zum Kloster Benediktbeuren und zunächst in die angegliederte Klostergärtnerei nur zum „Schauen“.
Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit  ist das Angebot an Stauden überwältigend.

Für den Halbschattenbereich erstehen wir weißblühende Storchschnabel und Sterndolden.
Und ganz zufällig „vergucke“ ich mich in eine Wildrose, die etwas abseits steht.
Es ist die Apfelrose Rosa Rugosa ‚Thérèse Bugnet‘, die mehrmals im Jahr blüht und sehr naturnah wirkt, wie man uns versichert.

„Wo willst du sie hinpflanzen?“, versucht Frank mich abzuhalten.

Nach einer kleinen Stärkung im Klostergarten trage ich die Rose sorgsam wie einen Schatz zum Auto und habe zugegebenermaßen Mühe, einen passenden Platz zu finden.
Sie wächst nun  mitten in der Wiese in der Nähe des Pfingstrosenbeetes, was wiederum den Charakter des Gartens verstärkt.
Stückchen für Stückchen.

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