Reifeprozess

Auf dem Bauplatz ist etwas Geduld angesagt.
Die Bohrarbeiten für den Grundwasserbrunnen werden zwar sehr rasch an einem Tag erledigt sein, aber die Gehehmigung dauert mindestens vier Wochen.

Um die langezogene Grundstücksgrenze mit Sonneneinstrahlung von Süden und Westen optimal nutzen zu können, ist der Brunnen nun an einer anderen Stelle vorgesehen. Somit wird auch das Granitbecken zum Auffangen von kalkarmen Regenwasser und dem Grundwasser auf der „Gartenskizze“ etwas weiter nach hinten rutschen. Die Nähe zu den Gemüsebeeten ist sicherlich von Vorteil.

Da Herr Gregori wieder länger in Italien verweilt, geht wenig voran. Doch das ist gut so, denn die gewonnene Zeit ist dringend nötig, um Neues zu verinnerlichen und einen imaginären Plan zu zeichnen, wie sich der Garten weiter entwickeln soll.

Ob ich die kleingewachsene, noch jüngere Rose in einer ganz hellen rosafarbenen Tönung vorab ins Kräuterbeet setzen könnte, damit die Schotterfläche nicht so kahl brach liegt?
Die übrigen Rosen blühen recht üppig im ersten Flor, es wird Zeit, die kleine Destille für das erste, eigene Hydrolat zu testen.

Auch die neu gesetzten Lavendelpflänzchen im Gemüsebeet verlocken, sie weiterzuverarbeiten, indem ich die reifen Rispen in Jojobalöl „ausziehe“.
Dazu müssen meine Vorräte an Jojobaöl dringend aufgestockt werden. Dies ist zudem ein weiterer Grund, in die Stadt zu fahren und sich zur Abwechslung – wenn auch ein wenig widerwillig – anderen Dingen als nur der Hobbygärternei zu widmen.

Das Wetter hat wieder umgeschlagen und wenn es nach mir ginge, könnte es so für den Rest des Jahres bleiben. Kühles, leicht verhangenes Wetter und geradezu idael, um die kleine Rose ins zukünftige Kräuterbeet zu versetzen. Sie packt es mit einer Leichtigkeit und blüht, wie wenn sie schon immer hier gestanden wäre.

Allerdings nur wenige Stunden, denn kurz darauf kommen die Gartenbauer völlig überraschend und haben drüben im Garten das Gatter weit geöffnet. Ihre Jacken haben sie bereits an die Zaunpfosten gehängt.

Mit großen, sichtbaren Schritten geht es voran.
Die Kräuterbeete werden umgegraben und zunächst mit Vlies abgedeckt, um das Unkaut einzudämmen.
Dann kommt der künstlerische Teil der Übung, die geometrische Form der Beete zu gestalten. Mit roter Leuchtfarbe werden die Umrisse erneut gespritzt.
Wir entscheiden uns dafür, nun doch vier vier Beete aus dem Schnittmuster entstehen zu lassen.
Eine Ovalform und drei Kreise, die vom Radius zunehmend kleiner werden.
Dazwischen werden später grobkörniger Kies und vereinzelt Flusssteine ausgebracht.
Die kleine Rose setze ich an den Zaun.
So habe ich mir die Kräuterbeete vorgestellt, auch wenn die Kräuter erst noch einziehen werden.

Die Gartenbauer möchten sich nach einer gemütlichen Kaffeepause, in der wir beratschlagen, wie es weitergehen soll, zeitig verabschieden.
Die großen heimischen Flusssteine aus dem Gebirge, die sie im  Anhänger mitgebracht haben, liegen mitten in der Wiese um einen Obstbaum verteilt herum, was dekorativ aussieht und dem Garten gewisse  „Züge“ verleiht. Er nimmt langsam Gestalt an.
Sorgsam schließen die Männer das Gatter hinter sich zu.

Um ein paar Minuten verpassen sie Herrn Gregori, der wieder aus dem Ausland zurückgekehrt ist. Wie immer begrüßt er uns strahlend und hat sich den Garten bereits genau angesehen.
„Die Findlinge sind schon ganz gut, aber wir brauchen auch Bruchplatten, auf denen man oben am Teich gehen kann“,  meint er nach seiner überaus kritischigen Inspektion.
Eine ganze Menge Findlinge liegt auch rings um den Teich verstreut, was das Gelände bereits etwas formt.

„Herr Greogri…?“, frage ich ein wenig gedehnt, da ich den Augenblick hinauszögern möchte. „Würde es denn gehen, dass man den hochgwewölbten Rand des Tümpels etwas sanfter ausklingen und mit Rasen bewachsen lässt?  Dann würde sich der Teich  auch besser in das Naturgelände mit den Obstbäumen einfügen.“
„Ja aber ein paar Pflanzen brauchen wir schon, sonst sieht es unnatürlich aus, wenn das Wasser von oben aus dem Nichts entspringt“, gibt Herr Gregori nachdenklich zur Antwort.
Es ist geplant, dass das Wasser über eine Steintreppe nach unten in den Tümpel plätschern soll. „Ich dachte schon an kleine Koniferen oder Ähnliches.“

Ich gestehe, dass ich keine Koniferen und Krüppelkiefern mag.
„Wir machen erst mal das andere fertig und dann sehen wir weiter“, beruhigt mich Herr Gregori.
„Gut, dann können wir das auch mit dem Steingarten am Rande des Teiches lassen“, seufze ich erleichtert auf.
„Aber das war doch Ihre Idee“, wundert sich unser Architekt.
„Seine Idee“, verbessere ich lachend und zeige auf Frank.
Herr Gregori schmunzelt und meint ermutigend. „Sie müssen nur sagen, was Ihnen nicht gefällt. Aber am Teich selbst brauchen wir schon Pflanzen, sonst ist es kein Teich.“

Wir verabschieden uns, dieses Mal ist meine Hand eiskalt, da die Temperaturen enorm in den Kellerbereich gesunken sind.
Schnell wässere ich noch die kleine Rose, die nun am zukünftigen Zaun plaziert ist.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitscode: *