Quitten, die vergessene Frucht

Quitten sah man lange Zeit nur in alten Obstgärten oder auf Streuobstwiesen.
Mittlerweile wird das Obstgehölz aber auch in Hausgärten wieder beliebter. Denn der Baum sieht schön aus, wird nicht all zu groß und trägt duftende Früchte, die in zahlreiche Köstlichkeiten verwandelt werden können.
Die Früchte werden zu Gelee verarbeitet, zu Fruchtaufstrich, Chutney, Saft, Süßmost, Likör oder Quittenpastete als leckeren Konfekt.

Quitten muten ein wenig altmodisch an, da die Verwertung aufwändig und mit viel Zeit verbunden ist. Aber das Ergebnis entschädigt für die Mühen.

Und hier reise ich wenig in die Vergangenheit.
Mein Mann wurde als Junge einmal im Jahr in einen etwas entfernt gelegenen Garten geschickt, um Obst zu pflücken, ausgestattet mit einem stabilen Leiterwagen und vielen Körben. Soviel Körbe, wie Platz hatten.
Es war der elterliche Obstgarten, in dem nur Obstbäume wuchsen, umgeben von Blumenwiesen.
Es war meist schon Mitte Oktober. Viele Bäume hatten ihr Laub abgeworfen und waren abgeerntet, aber eine Obstbaumsorte war trotz der späteren Jahreszeit dicht behangen mit leuchtend gelben Früchten.
Der Quittenbaum stand etwas abseits in der Ecke und wirkte verführerisch aufgrund seiner knackigen Früchte, die an Äpfel erinnern. Dennoch kam und kommt ein  Rohverzehr nicht in Frage. Aufgrund des  harten Fruchtfleisches und der bitteren Gerbstoffe, zudem schützt ein feiner Flaum die Pflanze im Sommer vor der Sonne.

Quitten- Cydonia oblonga – zählen zu den ältesten Kulturobstarten überhaupt.
Die vermutlich aus dem asiatischen Raum (Kaukasusgebiet) stammende Quitte gehört zur Familie der Rosengewächse und ist ein sommergrüner großer Strauch oder Baum mit im Herbst reifenden gelben Früchten.

Die Quitte (auch Baumwollapfel genannt) ist nahe verwandt mit Apfel und Birne, zeichnet sich aber durch ein herbes Aroma und trocken-hartes Fruchtfleisch aus. Man unterscheidet zwischen der herben Apfelquitte und der milderen Birnenquitte.

Bereits von den alten Griechen wurde der „Apfel aus Kydon“  (benannt nach der kretischen  Stadt Kydonia) als Nahrungs-, Genuss- und Heilmittel geschätzt. Die Quitte stand für Liebe, Glück und Fruchtbarkeit und avancierte sogar zur heiligen Frucht der Aphrodite. Eine Sage berichtet, dass der erste Quittenbaum in der antiken Stadt Kydonia auf der Insel Kreta angepflanzt wurde.

Bei der Quittenernte ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. Die Früchte reifen zwar erst ab Mitte September bis weit in den Oktober hinein (je nach Region, Sorte und Witterung), müssen aber unbedingt vor dem ersten Frost geerntet werden. Die zum Teil noch sehr harten Früchte können auch drinnen noch nachreifen.

Die Quittenfrucht enthält viel Vitamin C, Kalium, Gerbsäure sowie Pektin und Schleimstoffe.
Zu Heilzwecken werden vor allem die Quittenkerne verwendet. Sie sind auch naturkosmetisch interessant als Grundlage für ein entzündungshemmendes Gel. Quittenschalenöl hat Feuchtigkeit bindende, konservierende und schützende Eigenschaften.

Schon lange haben wir uns ein Quittenbäumchen gewünscht und so ist die Quitte Cydonia ‚Konstantinopeler Apfelquitte‘ in unseren Garten eingezogen. Sie zählt zu den alten Kultursorten der Quitte.

Ein Klassiker unter den Gartenküchen-Produkten ist das alljährliche Quittengelee, welches auch die Saison beschließt.
Zutaten für Quittengelee: 2,5 kg Quitten, 2 Biozitronen, Gelierzucker.
Und so habe ich es gemacht:
Die Quitten mit einem Tuch abreiben, waschen, in grobe Stücke schneiden, dabei Stielansatz und das Kerngehäuse entfernen. Die Schale bleibt daran, da sie viel Pektin enthält.

Sofort in ca. 1 l Wasser geben, nun ca. 40 Minuten köcheln lassen, die Früchte sind dann weich.
24 Std. kühlstellen und durchziehen lassen. Danach noch einmal aufkochen,das Fruchtmus in ein Sieb über einer Schüssel geben, den Saft abtropfen lassen. Möglichst keinen Druck ausüben, da so die Flüssigkeit klar bleibt.
Den Quittensaft abmessen und entsprechend mit Gelierzucker 1 : 3 vermischen, den Saft von Zitronen zugeben, sprudelnd kochen lassen. In Gläser füllen.
Fertig ist das feine Quittengelee.

Das dabei entstandene wertvolle Quittenmus kann im nächsten Arbeitsschritt  zu Quittenbrot (ähnlich wie Fruchtleder oder Fruchtpastete) verarbeitet werden, was eine leckere Nascherei darstellt, gerade in der Herbst- und nahenden Adventszeit.

Es heißt, wenn die Quitte vom Baum geholt ist, dann ist die Arbeit auf den Feldern für das Jahr endgültig vorbei.
Und mit Quitten wird auch als letzte Frucht im Saisonkalender die „Gartenküche“ langsam geschlossen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.