Der Garten im Oktober

Die letzten Wochen waren geprägt durch Arbeiten am Teich.
Schilfartige  Gewächse gehören zum Teich und säumen den Rand, dennoch neigen sie zum Wuchern und versperren rasch die Sicht auf Seerosen, die auch im Oktober vereinzelt noch blühen.

Typha minima ist ein Zwergrohrkolben, der hübsche Akzente am Teichrand bildet.
Die braunen Blüten erscheinen im Juli und sitzen wie pelzige Stecknadelköpfe auf den schmalen, aufrechten Stängeln. Die Pflanze hat eine wasserreinigende Wirkung, ist aber starkwüchsig und bildet zahlreiche Ausläufer. Im Handumdrehen breitet sie sich auch in den oberen Etagen des Teiches aus. Darum werde ich sie im Auge behalten.

Mehr Mühen hat die Teich Simse – Scirpus lacustris – bereitet, denn sie bildet zähe, ledrige, röhrenförmige Halme, die in andere Pflanzen hineinwachsen. Die Simse steht nicht als Posten auf der Teichliste, sie hat sich heimlich eingeschmuggelt. Hier hat nur der Spaten geholfen, um das Wurzelwerk mitsamt den kräftigen Halmen anzuheben, natürlich sehr vorsichtig, um die Folie nicht zu beschädigen. Anschließend können die Röhren gepackt und entwurzelt werden. Die wasserreinigende Pflanze gedeiht besonders gut in nährstoffreichen, schlammigen Böden und beim Rausziehen entsteht ein gurgelndes Geräusch.

Dadurch sind einige Lücken entstanden, die ich durch weinrote Lobelien und Gauklerblumen wieder schließen konnte. Sie müssen im Winter gut abgedeckt werden, damit sie nicht erfrieren.
Auch Sumpffingerkraut Potentilla palustris kommt nun mit den weinroten Halmen wieder besser zur Wirkung und passt in den Oktober.
Als farbenprächtig beweist sich auch der Bunte Eidechsenschwanz, Houttuynia cordata ‚Chameleon‘. Dieser Bodendecker bildet ein hübsch gemustertes Laub aus grünen, roten und gelben Blättern, die nun im beginnenden Herbst auffällig rot leuchten.

Die Gartensaison steuert langsam auf das Ende zu und ich beginne zu resümieren, wie das Sommerhalbjahr war.
Wird der nächste Sommer wieder so früh einziehen mit anhaltender Trockenheit und warmen Temperaturen, so dass Frühling nicht richtig zum Zuge kommt und der Eindruck entsteht, es wäre nur noch Sommer?

Wenn sich der Spätsommer in den letzten Tagen nicht so abrupt verabschiedet hätte vom Flipflop-Tragen hin zum Griff der warmen Steppjacke wäre vielleicht der Rekord vom Jahrhundertsommer 2003 gebrochen worden, was Temperatur- und  Sonnenscheindauer betrifft.
Insgesamt gesehen war es aber hier im Alpenvorland sehr gut auszuhalten mit wenigen Unwettern, nicht zu hohen Temperaturen, Abkühlung in der Nacht und keiner Dürre, im Gegensatz zu anderen Bundesländern, die nicht so begünstigt waren.

Für die Eichhörnchen im Winter ist gesorgt. Eine Kiste mit Walnüssen, die zum Trocknen unter der großen Fichte stand, wurde in Windeseile leergeräumt. Hoffentlich finden sie ihre Verstecke auch wieder.
Ich freue mich schon auf die kommende Zeit, wenn der Garten nach und nach auf „kühl“ umgestellt wird.
Dann wird auch sparsam dekoriert werden mit Zweigen in den Töpfen, die Beeren tragen, mit einem gebundenen Kranz aus feinen  Lärchenästen, an denen Zapfen sitzen.

Im Moment ist der Garten Zierde genug.
Kleine Details rücken in den Vordergrund wie seidige Clematisblüten, die wieder aufgeblüht sind.
Die Fugen am kleinen Terrassenrondell sind mit Thymian ausgepolstert, der duftet.
Zarte Rispen von Verbene und Prachtkerze, die auf hohen, biegsamen Stielen sitzen, wippen im Wind. Silberkerzen haben jetzt erst ihren Höhepunkt und leuchten wie kleine Kerzen  aus dem Gebüsch.

Die Blumenwiese ist abgemäht, allerdings in der höchsten Stufe, so dass Blumen noch stehen, und die Grasnarbe ist kräftig gesandet. Der erste Herbstkrokuss zeigt sich.

Oktober ist auch die Zeit für Herbstputz, dennoch sollten nicht alle Stauden abgeschnitten werden.
Frucht- und  Samenstände sehen bei Frost zu schön aus wie beispielsweise bei Schafgarbe, Purpursonnenhut (Echinacea) oder Verbenen, da sie im Nu mit einer pudrigen Schicht überzogen sind, die im Sonnenlicht glänzt.
Kräuterbeete bieten auch jetzt im Herbst einen dekorativen Anblick, da Lavendel und Rosmarin Struktur geben, besonders Salbei sieht hübsch aus, wenn er nach frostiger Nacht über und über mit Brillanten besetzt ist.
Auf diese Weise wirkt der herbstliche Garten niemals leer oder eintönig und Vögel finden Nahrungsquellen. Die vertrockneten Pflanzenteile sind außerdem ein guter Winterschutz und bieten Nützlingen eine gute Überwinterungsmöglichkeit.

Kaum ist der Sommer vorbei, muss auch der Grundstock gelegt werden, wie sich einige Monate später Frühling präsentieren soll.
Zur Vorsicht werde ich heuer auf Blumenwiebeln achten, die früh blühen, für den Fall, dass es wieder schnell heiß werden sollte, denn was wäre Ostern ohne Narzissen und Frühling ohne Tulpen. Auch Frühlingsanemonen zählen zu den ersten Frühlingsboten und können als kleine Zwiebeln im Herbst gesetzt werden.

Jede Überlegung, wo was eingesetzt werden soll, entpuppt sich ein halbes Jahr danach als bezaubernde Blüte. Denn…
Die Blumen des Frühlings sind die Träume des Winters.
– Khalil Gibran, libanesisch-amerikanischer Maler –

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