Juni im Frühsommer

Das Jahr läuft dahin und es kommt mir vor, wie wenn heuer (bis auf wenige Unterbrechungen) immer Sommer wäre.

Die Blumenwiese ist abgemäht. Margeriten und Schafgarbe haben leuchtende Blickpunkte gesetzt.
Wenn sie am schönsten ist, soll man sie mähen… heißt es, auch wenn es schwer fällt. In der ersten oder zweiten Juniwoche.
Es werden zwar viele blühende Pflanzen abgemäht, aber nach vier bis fünf Wochen kommt es zu einer zweiten Blüte. Auf diese Weise wird auch die Versamung der Gräser unterbunden.
Die lange Beschattung würde in den unteren Bereichen der Blumenwiese auch lichthungrige Arten wie beispielweise Karthäusernelke und Margerite verdrängen.
Quelle: www.syringa-pflanzen.de/blumenwiesen-aussaen.html
Wie immer habe ich von Hand vorgeschnitten und anschließend mit dem Rasenmäher auf den Stufen 6 und 5. Der abgemähte Bereich duftet noch lange Zeit danach nach Heublumen.

Nun wird ab und zu Moos mit dem kleine Rechen herausgeharkt oder die Wiese punktuell entfernt und gezielt eine Sand-Wildblumenmischung  ausgebracht. Auch bereits vorgezogene Blumen wie Wildmalven, Jungfer im Grünen und Wildkornblumen eignen sich, die Grasnarbe zu „impfen.

Jetzt setzt sich langsam auch Feldthymian durch, der die beiden Jahre zuvor schon wunderschön, wenn auch unauffällig, geblüht hat. Auch hier wird regelmäßig nachgesät.
Fünf ausladende Lupinenhorste und einige zarte Blümchen habe ich beim Mähen ausgespart. Sie fehlt, die Blumenwiese, aber das Mähen hat auch einen Abschnitt im heuer etwas monoton erscheinenden Gartenjahr gesetzt.
Nun ist die Vorfreude und Spannung wieder präsent und wenn ich einen Moment Muse habe, dann bringe ich ein wenig Samenmischung aus.

Das Vorziehen und Aufpäppeln von Levkojen hat sich gelohnt. Sie blühen nun im Gemüsebeet und in kleinen Töpfen an der Hauswand in bezaubernden Pastellfarben. Wenn ich mich bücke, kann ich einen leichten Duft von Vanille wahrnehmen.

Im Kräuterbeet haben sich Verbenen, Baldrian und Prachtkerzen (Gaura lindheimeri) selbst ausgesät. Auch Purpursonnenhut (Echinacea purpurea) hat sich vermehrt. Der Platz wird knapp.

Eine neue Wildstaude ist im Kräuterbeet eingezogen, Dictamnus albus, auch Brennender Busch genannt, in einer weißen Tönung. Gelegentlich kann man die Staude auch auf  Trockenwiesen oder an Waldrändern entdecken, sie steht unter Naturschutz.

Dictamnus erreicht eine Wuchshöhe von 80 cm mit kräftigen Stielen, an denen sich doldenartig angeordnete Blüten in Weiß oder auch in hellem Fliederrosa von Ende Mai bis Juli entfalten. Dabei verbreitet Diptam einen Duft nach Zitrone, Vanille, Zimt, heißt es. Kleine Drüsen an den Fruchtständen des Diptams geben zur Reifezeit ätherisches Öl ab, das sich an heißen Tagen entzünden kann. Daher auch der Name.
Man muss allerdings Geduld haben, denn bis die Pflanze eingewachsen ist und blüht und auch duftet, vergehen zwei bis drei Jahre. Darum wird Diptam auch selten gepflanzt. Der Standort sollte an Gehhölzrändern liegen oder im Präriegarten mit wasserdurchlässigem, sandigem, eher trockenem Boden. Gegossen wird nur bei längeren Trockenperioden.
Doch bitte Vorsicht: alle Teile der Pflanze sind giftig.

In der Garten-Naturapotheke habe ich Blüten von Wiesenarnika  (Arnica chamissonis), die nun recht üppig  im Beet am Zaun und auch zu den Nachbarn gedeiht, in Alkohol eingelegt. Nach einiger Zeit des Ziehens kann ich die Tinktur in ein Roll-On-Fläschchen füllen und zum Kühlen von Mückenstichen verwenden.
Die Inhaltsstoffe der Pflanze wirken antibakteriell, entzündungshemmend, krampflösend, schmerzstillend und blutreinigend.

Das Zubereiten von ein wenig Rosenhydrolat hat sich routinemäßig, und zwar am besten während des Frühstücks, bewährt. Das Pflücken von frischen Rosenblüten ist außerdem ein schöner Akt am frühen Morgen. Das was zu viel an Pflanzmaterial  für den kleinen Korb der Kupferdestille ist, wird im „Setzkasten“ getrocknet für Kräuterkissen und die Aromaduftlampe im fortgeschrittenen Gartenjahr.

Rosenblütenessig ist nun auch durchgeseiht und steht im Kistchen für Produkte aus der Gartenküche.

Im gesamten Garten haben bereits Schnittmaßnahmen stattgefunden, auch die Bepflanzung am Teich ist wieder etwas gelichtet.
Nun kann der zweite Rosenflor in Ruhe abgewartet werden und es wird wieder etwas leichter, was Gartenarbeit betrifft.

Der allerletzte Rhododendronbusch blüht, nun aber treten neue Stars auf die Naturbühne, nämlich Hortensien in allen Variationen. Hydrangea aus der Familie der Hortensiengewächse (Hydrangeaceae).
Als Rispenhortensie, Eichblatt-Hortensie, die Ballhortensie Hydrangea arborescens ‚Annabelle‘  schmückt sich besonders verschwenderisch mit vanillefarbenen Blütenbällen. Sie hat allerdings einen „Reif“ (einen dünnen Drahtring, der am Zaun durchgefädelt ist) bekommen, den sie das ganze Jahr über trägt.
Schlichte Bauernhortensien, teils auch in weißen Farben, sehen wunderschön aus an eher schattigen Stellen, da sie viel Wasser benötigen.

Die „Beregnung“ läuft erfreulich gut, da es meist am frühen Abend gewittert und der Garten kräftig gewässert wird. Die Vogeltränke muss dennoch häufig aufgefüllt werden, da die Plantschereien viel Wasser verbrauchen.

In der zweiten Junihälfte gibt es zwei kleine Höhepunkte im Kalenderjahr zu verzeichnen, die Sommersonnwend (21. Juni)  und die Hauptblütezeit von Johanniskraut (Johanni 24. Juni).
Hypericum perforatum, das „echte“ Johanniskraut,  hat bereits viel Sonne getankt und ist voll heilsamer Wirkstoffe (zum Ansetzen von Rotöl, zum Sammeln und Trocknen der Blüten für Johanniskrauttee).
Das Sommergetreide beginnt zu reifen. Es gilt die Regel: „Vor Johanni bitte Regen, nachher kommt er ungelegen“.

Es ist Glühwürmchenzeit, auch „Johanniswürmchen“, genannt.
An Waldrändern, in Parkanlagen und Gärten kann man jetzt für ungefähr eine Stunde bei fortschreitender Dämmerung kleine Lichtpunkte, es sind Leuchtkäfer, die funkeln, entdecken.
Traditionell werden Rhabarber und Spargel bis zum Johannitag geerntet.

Die ersten wachsig glänzenden Kirschen liegen auf dem Boden und werden glücklich von Vögeln aufgepickt.
Es ist Frühsommer.

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