{"id":3354,"date":"2017-08-30T16:25:56","date_gmt":"2017-08-30T14:25:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/?p=3354"},"modified":"2020-01-25T18:34:59","modified_gmt":"2020-01-25T17:34:59","slug":"reise-in-die-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/gartenskizzen\/reise-in-die-vergangenheit\/","title":{"rendered":"Reise in die Vergangenheit&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3090\" src=\"http:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Sonnenhut-Herbst.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"166\" \/>\u201eDer k\u00f6nnte es schon sein\u201c, meint Frank und legt die Stirn zweifelnd in Falten.<!--more--><br \/>\nMit <em>er<\/em> ist unser ehemaliger Gartenarchitekt gemeint, der damals vor etwa drei\u00dfig Jahren unseren Garten geplant hat. Eine leichte B\u00f6schung im Gel\u00e4nde aufwerfen, die vielen Stauden setzen lie\u00df, eine wunderbare Magnolie, die im Erstfr\u00fchling wei\u00dfe Sterne aufgehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Zwei kleine, gepflasterte Becken mit Quellsteinen an den beiden Terrassen ziehen Libellen und\u00a0 Grasfr\u00f6sche an, die Steine wurden erst\u00a0 k\u00fcrzlich neu verlegt. Auch das Rondell, das fr\u00fcher der Sandkasten unserer Kinder war, ist mit hellen, druckimpr\u00e4gnierten Palisadenh\u00f6lzern neu umrandet worden. Die ersten Spr\u00fcnge zeigen sich bereits wieder im frischen Holz.<\/p>\n<p>Ein Kloster- oder Apothekergarten ist es, wovon in tr\u00e4ume. Mit Duftpflanzen zum Schnuppern, mit Heilkr\u00e4utern, aus denen ich \u00d6le und Essenzen f\u00fcr die K\u00fcche und f\u00fcr meine Naturkosmetik gewinnen k\u00f6nnte, mit einer Ecke f\u00fcr Gem\u00fcse, das selbst gezogen w\u00fcrde.<br \/>\nEin Brunnen w\u00fcrde das Zentrum sein, mit einem angrenzenden massiven Steinbecken, damit Trinkwasser geschont und Grundwasser zum Gie\u00dfen verwendet werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nachdem ich mich vergewissert habe, dass der Name mit der alten Rechnung, die ich aus unseren Unterlagen herausgesucht habe, \u00fcbereinstimmt, w\u00e4hle ich eine Nummer, die ich im Netz gefunden habe. Eine tiefe Stimme meldet sich nach nur zwei Klingelt\u00f6nen ein wenig barsch mit Namen. Ohne lange Einleitung komme ich zum zentralen Punk meines Anliegens: \u201eIch suche einen Architekten, einen Herrn Gregori, der vor achtundzwanzig Jahren unseren Garten angelegt hat. \u2026\u201c Ich stoppe kurz.<br \/>\nEr scheint gar nicht so \u00fcberrascht zu sein, auch wenn er sich spontan mit Sicherheit nicht an das Objekt erinnern kann.<br \/>\n\u201eW\u00e4re schon m\u00f6glich\u201c, meint mein Gegen\u00fcber ausweichend, vermutlich um etwas Zeit zu gewinnen.<br \/>\n\u201eDer Stimme nach k\u00f6nnte es passen\u201c, versichere ich ihm, denn ganz entfernt habe ich noch den leicht heiseren Unterton meines Gegen\u00fcbers im Ohr.<\/p>\n<p>Mit knappen, ein wenig hastigen Worten versuche ich zu erkl\u00e4ren, dass wir einen neuen Garten erworben haben, aber nicht zu viel Geld hineinstecken wollen, da irgendwann vielleicht wieder gebaut werden wird.<br \/>\nAu\u00dferdem werden auch wir nicht j\u00fcnger, versuche ich meine leichte Unsicherheit zu \u00fcberspielen, denn in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden fl\u00fcstert eine innere Stimme durchaus h\u00f6rbar, <em>es lohnt doch nicht mehr.<\/em> Ich bringe sie zum Schweigen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3005\" src=\"http:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Rosenbl\u00fctenessig-Flasche-023h.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"166\" \/>Der Architekt scheint zu verstehen und er versteht auch, dass ich von einem Klostergarten tr\u00e4ume. Ich erw\u00e4hne den Namen unseres Bauleiters von damals, der uns Herrn Gregori als Gartenplaner empfohlen hat, auch den G\u00e4rtner, der die Planzarbeiten durchgef\u00fchrt hat. Die Namen sind ihm alle bekannt.<\/p>\n<p>Ein wenig unbeholfen, dennoch sehr behutsam, um die Gef\u00fchle des Architekten nicht zu verletzen, versuche ich herauszubekommen, ob er auch wirklich noch arbeitet. Schnell \u00fcberschlage ich die Rechnung,\u2026, damals war er vielleicht Ende Drei\u00dfig. Dann w\u00e4re er jetzt an die\u2026<br \/>\n\u201eJa, schon\u201c, meint er etwas gedehnt und unterbricht die Reihe meiner Zahlenspiele, die ich gar nicht so genau erfassen m\u00f6chte. \u201eIch habe noch eine Sekret\u00e4rin und eine Praktikantin. G\u00e4rten gestalten ist das, was mir richtig Spa\u00df macht!\u201c<\/p>\n<p>Die Ver\u00e4nderung seiner Stimmlage und die Leidenschaft, die nun in seinen Worten mitschwingt, ist auch \u00fcber die Leitung zu sp\u00fcren.<br \/>\nIch bin beruhigt und wir vereinbaren einen Termin in zwei Wochen.<br \/>\nDann allerdings noch in unserem alten Garten.<\/p>\n<p>Es wird sp\u00e4t und immer sp\u00e4ter. F\u00fcr f\u00fcnfzehn Uhr ist ein Termin ausgemacht.<br \/>\n\u201eIst es da auch noch hell?\u201c, habe ich Herrn Gregori ein wenig zweifelnd beim\u00a0 Bl\u00e4ttern im Kalender gefragt.<br \/>\n\u201eAber ja\u201c, hat er ins Telefon gelacht, \u201eum drei Uhr ist schon noch ein Tag.\u201c<br \/>\nBedenken habe ich trotzdem, noch dazu wo er zuvor ein weiteres Objekt betreuen wird und ich den Berufsverkehr scheue.<\/p>\n<p>Ich habe Kaffee gekocht und eine kleine Kanne des Mangotees, der so gut riecht. Das Teelicht im St\u00f6vchen verbreitet einen tr\u00f6stlich aufmunternden Schein, da heute ein besonders tr\u00fcber Novembertag ist und es ist auch nicht richtig hell geworden ist. Auf dem Wohnzimmertisch liegen Fotos verstreut, die Frank und ich bei Spazierg\u00e4ngen aufgenommen haben. Wir m\u00f6gen es, unbekannte Stadtteile zu Fu\u00df zu erkunden, in Vorg\u00e4rten hineinzusp\u00e4hen, die man vom\u00a0 Auto aus niemals wahrnehmen w\u00fcrde, und ein wenig neugierig die Klingelschilder zu lesen, die oftmals golden gl\u00e4nzen und auf Architekten, Notare oder Konsulate hinweisen.<br \/>\nDer kleine Brunnen auf einem Foto hat es mir angetan. Er ist zum Schutz vor Winter abgedeckt und tr\u00e4gt eine Zwiebelhaube. Um das Becken herum sind Kieselsteinchen in sternf\u00f6rmiger Anordnung ausgebracht, umrandet von Pflastersteinen so gro\u00df wie Bierdeckel. Fein s\u00e4uberlich geschnittene Buchskugeln formen die Anordnung. Die Anlage hat eindrucksvoll ausgesehen und auch hier hielt sich ein Konsulat verborgen, die hohen Gitterz\u00e4une, stark verrostet, haben uns ungehindert durchschauen lassen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2980\" src=\"http:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kr\u00e4uterf\u00fchrung-003hneuBlog250.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"166\" \/>Ein wenig nerv\u00f6s werfe ich einen Blick auf die Uhr, es geht schon auf vier Uhr Sp\u00e4tnachmittag zu. Langsam wird es d\u00e4mmrig.<br \/>\nKurz entschlossen sammele ich die Fotos ein und breite sie auf dem Gartentisch auf der Westterrasse aus. Hier drau\u00dfen ist es noch wesentlich heller als im Zimmer. Ein paar B\u00fccher lege ich hinzu, wobei ich einige Seiten mit bunten Aufklebern markiert habe, die Klosterg\u00e4rten sind gut sichtbar. Eine Zeitschrift bl\u00e4ttere ich noch auf, da l\u00e4utet es schon.<br \/>\nSchnell werfe ich die Jacke \u00fcber, \u00f6ffne gespannt die Haust\u00fcr&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer k\u00f6nnte es schon sein\u201c, meint Frank und legt die Stirn zweifelnd in Falten.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[206],"tags":[],"class_list":["post-3354","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gartenskizzen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3354","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3354"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3354\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7370,"href":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3354\/revisions\/7370"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3354"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3354"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3354"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}