{"id":3357,"date":"2017-08-30T16:28:07","date_gmt":"2017-08-30T14:28:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/?p=3357"},"modified":"2020-01-25T18:56:16","modified_gmt":"2020-01-25T17:56:16","slug":"inspektion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/gartenskizzen\/inspektion\/","title":{"rendered":"Inspektion"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3327\" src=\"http:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Bl\u00fcten-f\u00fcr-Kr\u00e4uterst\u00f6vchen-003aufgehellt-1.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"166\" \/>\u201eGregori ist mein Name. Wir haben einen Termin\u201c, l\u00e4chelt mein Gegen\u00fcber mich an und wirft mir einen pr\u00fcfenden Blick zu. <!--more-->Dass er so gro\u00df ist, war mir gar nicht bewusst. Die Haare sind raspelkurz und wei\u00df.<\/p>\n<p>\u201eK\u00f6nnen Sie sich jetzt noch erinnern\u201c, frage ich mit hoffnungsvollem Unterton und schw\u00e4che in einer diffusen Handbewegung meine Worte ab, da die Planung von damals nicht so spektakul\u00e4r gewesen ist, dass sie im Ged\u00e4chtnis haften geblieben sein wird.<br \/>\n\u201eJa, schon\u201c, meint er leicht z\u00f6gernd und l\u00e4sst seinen Blick \u00fcber die Rabatte gleiten, die an der Stra\u00dfenseite den durchsichtigen Stabzaun aus Metall begr\u00fcnen soll. Doch nun ist fast Winter und die meisten Stauden sind abgeschnitten. Ein wenig kahl wirkt es schon. Die Stermagnolie in der Ecke dominiert allerdings, ebenso die kugelige Kiefer am anderen Ende des Zauns.<br \/>\n\u201eSehr bewachsen ist es trotz der langen Zeit nicht\u201c, beeile ich mich zu rechtfertigen, da ich seinem Blick gefolgt bin. \u201eAber ich mag lichte G\u00e4rten.\u201c Er nickt zustimmend.<\/p>\n<p>Wir gehen weiter in den anderen Teil unseres Gartens.<br \/>\nEr scheint nicht so begeistert zu sein, wie sich die Pflanzen pr\u00e4sentieren. Dabei missfallen ihm ganz sicherlich nicht Kirschlorbeerb\u00fcsche an sich, die \u00fcppig gewachsenen Rhododendren mit saftig gr\u00fcnem Laub, ein Feuerdorn, der m\u00e4chtig in die Breite gegangen ist und noch ein paar rote Beeren tr\u00e4gt. Wohl auch nicht die dominanten Eiben, er meint den Schnitt, der heuer sehr kurz und feins\u00e4uberlich ausgefallen ist.<br \/>\n\u201eDas kostet doch nur Geld\u201c, stellt er tadelnd fest, \u201eund der G\u00e4rtner verdient.\u201c<\/p>\n<p>Recht hat er, ich mag es auch viel lieber nat\u00fcrlich gewachsen, gebe aber zu bedenken, dass ich regelm\u00e4\u00dfig ins Geb\u00fcsch kriechen muss, um Unkraut zu j\u00e4ten. Stachelige Mahonien, die sich als Unterbepflanzung eignen, verlieren ihre d\u00fcrren Bl\u00e4tter, das Laub der Birke verrottet nur langsam. Giersch ist zum Gl\u00fcck einged\u00e4mmt, seit der gemeinsame Zaun vor zwei Jahren erneuert wurde. Unsere Nachbarn haben hier ihre langgezogene Einfahrt und halten sie sorgsam bl\u00e4tterfrei, was nicht einfach ist mit unserer riesigen Birke und der Kiefer in der Ecke, die bei Sturm eine Menge brauner Nadeln als Teppich ausbreitet.<br \/>\n\u201eTrotzdem\u201c,\u00a0 meint er ein wenig brummig. \u201eDie Natur geh\u00f6rt sich selbst \u00fcberlassen.\u201c<\/p>\n<p>Weiter geht\u2019s zur Westseite, wo auch das neue Grundst\u00fcck anschlie\u00dft, seine Miene wird vers\u00f6hnlicher, denn das was geboten wird, gef\u00e4llt ihm ganz offensichtlich. Seine Augen leuchten beinahe, wie er mit leidenschaftlicher Stimme und wohl auch spontan vom ersten Eindruck gepr\u00e4gt hervorst\u00f6\u00dft: \u201eHier muss sich der Garten \u00f6ffnen, damit die Weite zum Vorschein kommt!\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3332\" src=\"http:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Apfelbeeren-und-co.-014-250.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"166\" \/>Frank ist hinzugekommen und wir stehen am Terrassentisch. Wir zeigen Herrn Gregori die\u00a0 Aufnahme eines Brunnens, ich bl\u00e4ttere mit klammen Fingern ein paar Bilder von Kr\u00e4uterbeeten herbei, was mir nun etwas l\u00e4cherlich erscheint. Als Antwort bl\u00e4st der Wind die Fotos in einer heftigen B\u00f6e zu Boden. Hastig sammle ich sie ein, es ist eiskalt.<br \/>\n\u201eWollen wir nach dr\u00fcben gehen?\u201c, frage ich Herrn Gregori, \u201edamit Sie einen Eindruck von dem Ganzen bekommen.\u201c<\/p>\n<p>Vorsichtig bahnen wir uns einen Weg durch die B\u00fcsche.<br \/>\n\u201eDie Bl\u00fcten hier k\u00f6nnen Sie abschneiden und in die Vase geben\u201c, stellt Herr Gregori fest und streicht in einer beinahe z\u00e4rtlichen Geste \u00fcber die B\u00e4lle der Hortensien, die trotz der sp\u00e4ten Jahreszeit noch leuchtend rosa gef\u00e4rbt sind.<\/p>\n<p>Wir gehen ein paar Schritte weiter, er fasst die d\u00fcrren \u00c4ste eines Baumes tastend an. \u201eIst das ein Zwetschgenbaum?\u201c, forscht er nach, was wir mit Kopfnicken best\u00e4tigen k\u00f6nnen, denn die Zwetschgen fallen im Herbst auch auf unsere Wiese. Ebenso die gelb gef\u00e4rbten Bl\u00e4tter, die sehr fr\u00fch im Jahr welken. Ich mag den leicht modrigen Geruch, den die Fr\u00fcchte verstr\u00f6men und nehme ihn als Zeichen wahr, dass es Sp\u00e4tsommer geworden ist.<\/p>\n<p>Ein kleinerer Busch stellt sich vor uns in den Weg, Herr Gregori hebt eine schrumpelige Birne auf und bei\u00dft herzhaft hinein.<br \/>\n\u201eSie schmeckt gut\u201c, freut er sich und wischt etwas Saft von seinem Mundwinkel. Der Birnenrest f\u00e4llt in hohem Bogen ins Geb\u00fcsch. \u201eWir m\u00fcssen nat\u00fcrlich kr\u00e4ftig ausschneiden\u201c, meint Herr Gregori mich raschem Kennerblick, \u201eund ein, zwei B\u00e4ume geh\u00f6ren auch noch gef\u00e4llt, die abgestorben sind. Viel Rasen ist es nicht mehr\u201c, konstatiert er und ich hefte meinen Blick auf den Boden.<\/p>\n<p>Die Regenw\u00fcrmer haben im\u00a0 Moos unz\u00e4hlige kleinen H\u00e4ufchen aufgeworfen, Grashalme sehe ich eigentlich gar keine mehr. Was habe ich dann nur gem\u00e4ht, wie mich die Vorbesitzern vor ein paar Wochen dazu eingeladen hat, etwas mitzuhelfen im gemeinsamen Besitz, frage ich mich insgeheim und leicht besch\u00e4mt. Ich entsinne mich nur, wie ich die vielen Birnen aufgesammelt und in die Biotonne geschichtet und dann den Motorm\u00e4her benutzt habe, um ein letztes Mal vor Einbruch des Winters zu m\u00e4hen. Es war mehr als anstrengend und ungewohnt f\u00fcr mich, das schwere, motorbetriebene Gef\u00e4hrt im Zickzack-Kurs um die Obstb\u00e4ume herum zu bugsieren. Hier an dieser Stelle verschwimmt meine Erinnerung. Bl\u00e4tter, es m\u00fcssen Bl\u00e4tter gewesen sein, die ich Korb f\u00fcr Korb gem\u00e4ht und in einem riesigen Haufen hinter der gro\u00dfen Fichte aufgeschichtet habe.<\/p>\n<p>Wir gehen zu den Nachbarsgrenzen und schreiten sie langsam ab.<br \/>\n\u201eHier ist noch etwas Industrie, die letzten Reste\u201c, beeile ich mich zu erkl\u00e4ren, da mir die Idylle, die sich hier so offensichtlich zeigt, fast ein wenig peinlich ist. \u201eEs ist eine Eisfabrik.\u201c<br \/>\nHerr Gregori inspiziert das flache Geb\u00e4ude mit den vielen Milchglasfenstern sehr genau.<br \/>\n\u201eSie meinen Eis zum Beliefern von Eisdielen? Sind die laut?\u201c Sein Unterton ist etwas lauernd.<\/p>\n<p>Die Frage kann ich bejahen, denn fr\u00fchmorgens ist in den Sommermonaten die Nacht l\u00e4ngstens vorbei, wenn die Lieferw\u00e4gen von fr\u00f6hlich pfeifenden und singenden S\u00fcdl\u00e4ndern beladen werden. Solange sich\u00a0 keine Nachbar daran st\u00f6ren, d\u00fcrfen sie blieben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3325\" src=\"http:\/\/www.rathgeber-balance.de\/bloggen\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Blog-verf\u00e4rbtes-Pfaffenh\u00fctchen.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"166\" \/>\u201eHier geh\u00f6ren ringsum B\u00fcsche gesetzt\u201c, stellt unser Gartenarchtitekt fest. \u201eEin Strauch kostet nur ein paar Euro, aber dann ist der Bereich auch dicht.\u201c<br \/>\nDarauf w\u00e4re ich gar nicht gekommen, dass auch ringsum an den teils sehr verrotteten Z\u00e4unen Pflanzen gesetzt werden k\u00f6nnten.<br \/>\n\u201eDie Z\u00e4une sind eine eigene Baustelle\u201c, beantwortet er meine stumme Frage, ohne dass ich sie stellen muss. Wir verstehen uns.<\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGregori ist mein Name. 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