Wünsche…

Herr Gregori kommt, um die Entwicklung auf der Baustelle zu begutachten.
Wie gewohnt begrüßt er uns freudig und heftet seinen intensiven Blick sofort auf den Rasen im Eingangsbereich, wo ich ein wenig Sand ausgebracht habe. „Wegen des Mooses, hier ist es so schattig“,  beeeile ich mich zu erklären. Er scheint mich gar nicht zu hören.
„Hortensien und Rhododendren gehören kräftig gedüngt!“, fordert er mich knapp auf, nachdem sein Blick ein paar Meter weiter geglitten ist.

Wir erörtern ganz kurz die Frage der Pflanzen, die neu gesetzt werden sollen. Ich habe mich bereits gründlich über Sträucher für den Naturgarten belesen.
„Sie mögen doch Gelb?“, bohrt er nach, „es gibt nichts Schöneres wie das leuchtende Gelb der Forsythien im Frühling, wenn Sie Zweige abschneiden und in eine Vase stellen!“
„Ja schon…“, antworte ich gedehnt und trage vermutlich eine schuldbewusste Miene, da seine Begeisterung nicht zu überhören ist. „Aber ich mag leider kein Gelb und auch kein Rot und kein Blau. Ich mag lieber Weiß, Rosé und all die leisen Töne.“
Herr Gregori  lacht und meint, dass er einige Menschen kenne, die kein Gelb mögen.

„Quitten hätten wir gerne“, schlägt Frank mit fragender Stimme vor und Herr Gregori bestätigt, dass Zierquiitten gut in einen naturnahen Garten passen.
„Haselnussssträucher würden mir auch gefallen“, schwärme ich, „aber es ja schon ein riesiger Busch vorhanden!“
„Ich vermute, dass Sie was anderes meinen wie eine Hasel“, antwortet Herr Gregori und sieht mich nachdenklich an.
Später soll sich herausstellen, dass ich an eine Scheinhasel dachte, die zu den langsam wachsenden Gehölzen zählt und von zierlichem Wuchs ist. Ganz im Gegensatz zu unserer alt eingesessenen Bluthaselnuss, die eindeutig dominiert drüben im Garten. Der frische Austrieb im Frühjahr mit weinrot glänzenden Blättern ist eine Zierde. Je weiter die Jahreszeit fortschreitet, desto grüner wird das Laub, um sich im Herbst wiederum farbenprächtig zu präsentieren.

„Und hier kommt die Hütte hin?“, erkundigt sich Herr Gregori und schreitet mit weit ausholenden Schritten geschätzte zweieinhalb Meter ab, um die Ausmaße zu demonstrieren.
Gleich neben der kugelig gewachsenen halbhohen Kiefer, die weiträumig trocken hält mit ihren schirmförmigen Zweigen, ist die Hütte geplant.
Wir werden später auch noch sehr froh über das neue Gartenhaus sein, da es einen optimalen Sichtschutz bietet, wenn wir in Ruhe auf unserer Terrasse vor der Küche die Mahlzeiten einnehmen wollen.

„An die Hütte gehört natürlich schon etwas gepflanzt“, warnt Herr Gregori vorsorglich, was offenbar ein Signalwort für mich ist und einen gezielten Reflex auslöst.
„Genau“, stoße ich begeistert hervor, „Kletterpflanzen sind wie geschaffen für den Bereich. Wie heißen sie nochmal,…  Glyzinen?“
„Glyzinen werden aber ziemlich ausladend“, gibt er zu bedenken, „aber wenn es Sie nicht stört?“
Frank schnaubt ein wenig verächtlich und wendet sofort ein: “Ja nichts was klettert, ich hasse das Gewirr der Blätter!“
„Stimmt, er mag es nicht, wenn die Gemäuer überwuchert werden“, erinnere ich mich, „ich meinte auch eher zierlliche Waldreben, die Clematis.“
„Clematis würden sich auch eignen“, lächelt Herr Gregori. „Ich versuche meine Italiener immer von der Schönheit dieser Pflanzen zu überzeugen, auch wenn die Winter zwischenzeitlich dort fast zu kalt sind.“
Herr Gregori betreut ja die Hälfte seiner Arbeitszeit Baustellen in Italien und hat dort seinen Zweitwohnsitz mit riesigem Olivenhain und Naturteich.

„Clematis wuchert aber auch“,  kommentiert mein Mann unwirsch und ich schlage friedlich einen Kompromiss vor.
„Dann eben ein bisschen Clematis. Üppig werden die Pflanzen eh nicht.“

Wir gehen weiter zur imagniären Grenze, dem neuen Zaun aus Maschendraht, der als letzter Arbeitsschritt bei den Umgestaltungsmaßnahmen drüben im Garten gesetzt werden wird. Die stabilen Pfosten stehen allerdings schon und wirken sehr heimelig auf mich in ihrer angedeuteten Begrenzung.

„Hier käme dann ein kleiner Teich rein,“ erklärt Herr Gregori und fixiert exakt einen Punkt. „Wenn Sie das möchten.“
„Genau“, reagiere ich begeistert, „der kleine Tümpel!“
„Tümpel ist das Wort, das ich gesucht habe,“ lacht Herr Gregori. „Es ist ja ein Tümpel mit Seerosen und Fischen. Und hier käme ein einfacher Sitzplatz hin. Ich habe den Plan so gezeichnet, dass später auch noch gebaut werden kann, ohne dass Teich und Sitzplatz wieder weg  müssen.“

Langsam gehen wir ein paar Schritte weiter.
„Und hier würden wir die Kräuterbeete anlegen sternförmig um einen Brunnen angeordnet. Wie wir die Bereiche trennen, weiß ich noch nicht. Es geht mit Gras oder mit Steinen?“ Er schaut mich fragend an.
„Steine“, entfährt es mir ohne lang nachzudenken und ich sehe gelblich getönte Kalksteine, die in der Abensonne leuchten.

Beruhigt entferne ich  mich etwas und stapfe mit meinen Gummistiefeln durch das weiche Erdreich, das mit dem Bagger geebnet wurde.
Es fehlt noch eine Menge Humus, um das Gefälle auszugleichen. Wenn wir jetzt genau wüssten, wo der Tümpel platziert werden soll, könnte der Aushub sogleich verwendet werden.
Doch im Moment zählt immer noch die Gewisseheit, all die alten Bäume gerettet zu haben.
Drüben im Garten ist jetzt nicht nur ein Naturgarten, es ist Obstgarten zugleich.

 

 

 

 

 

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