Sturmschäden

Es geht langsam voran auf dem Bauplatz, was vom Tempo her genau richtig ist. Nur so kann sich die Anlage auch artgerecht entwickeln.

Rasch nutze ich eine Viertelstunde der Mittagspause aus, die die Männer beim Essen in der Wirtschaft ein paar Straßenzüge weiter verbringen, ziehe mir feste Handschuhe an und marschiere rüber zum Garten. Geany schlendert gemächlich hinter mir her. Es ist heiß heute.

Am besten gefällt es mir drüben im Garten ganz hinten bei der riesigen Fichte, die  rund um den breiten Stamm herum an den wie Krakenarmen ausgebreiteten Wurzeln mit unzähligen kleinen Ästen  und Zapfen bedeckt ist.
Der Baum spendet jenen Schatten, den ich so gerne mag.
Beglückt zupfe ich ein wenig Giersch, schichte die Äste etwas auf, welche der riesige Baum bei Wind immer wieder abwirft.

Ein Stückchen weiter steht der mächtige Fliederbusch mit teils sehr morschen dicken Zeigen, der kräftig verjüngt wurde. Er zeigt schon eine Spur von Flieder.
Eine Unzahl kleiner Pflänzchen hat mit frischem Laub ausgetrieben, trockenes Geäst liegt auch hier zwischen den jungen Zweigen.
Der Stapel wird immer höher und ich frage  mich, ob ein schlichter Komposter aus Holzlatten nicht Sinn machen würde.

An dem kurzen Stück eines halb verfallenen Maschendrahtzaunes, den wir notdürftig zurechgeflickt haben, blühen blaue Traubenhyazynthen mit üppigem Blattwerk, die sicherlich schon sehr alt sind.
Die Sonne spitzt durch das dichte Geäst.
Aus den höheren Lagen der Fichtenäste ist ein seltsames Knacken und „Keckern“ zu hören, ein paar Schuppen von Zapfen segeln langsam zu Boden. Ein Eichhörnchen schwingt sich behende ein paar Etagen nach oben bis in den Wipfel.

Geany hat sich zu mir gesellt und wetzt ihre Krallen genüsslich an der rauen Rinde eines schmal gewachsenen Zwetschgenbäumchens, das nun im Mai duftig weiße Blüten trägt.
Leider soll das hübsche Bäumchen im nächsten Frühjahr bei einem heftigen Sturm umfallen.
Der gezackte Stumpf wird Zeuge bleiben, den restlichen Stamm schneiden wir  im dichtesten, eisigen  Schneegestöber in zwei Hälften und drapieren die Stücke so, dass ein eigener Bereich entsteht.
Ein Gartenzimmer.
Gleich einen Tag nach dem Sturmschaden setze ich ganz dicht an den geborstenen Stamm eine Felsenbirne, die strauchförmig oder auch als kleinerer Baum wächst mit hübscher, sternförmiger Blüte im Frühjahr und einer kupferfarbenen Tönung im Herbst.
Den teils ausgehöhlten Baustamm fülle ich mit Pflänzchen wie dem  Moos-Steinbrech auf, der mit seinem überhängenden Wuchs einen hübschen Kontrast zum dusteren Braun des Stammes bildet.

Das Schattenwaldbeet.
Ein Bereich, sehr reizvoll durch das Wechselspiel von Licht und Schatten, den ich nach und nach mit passenden Pflanzen auskleiden kann.
Auch die Natur gestaltet heftig mit und lässt Akeleien,  Maiglöckchen, Storchschnabel und Veilchen zwischen Waldgeißbart, Kerzenknöterich und Glockenblumen aufblühen.

Und ich traue meinen Augen kaum, wir bekommen zaghaft Besuch.
Ein Entenpärchen pirscht nahezu lautlos heran und sieht sich gründlich um, vielleicht um nach einem einem geeigneten Nistplatz Ausschau zu halten?

Das Läuten der Mittagsglocken erinnert und mahnt, wie spät es bereits wieder gworden ist.
Stundenlang könnte ich mich hier drüben im Garten verlieren und all das Neue beobachten.

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