Nach einem langen Winter, den ich persönlich liebe, kommt der Tag, an dem selbst ich die Sonne herbeisehne.
Sonnenspeicherpflanzen kommen in den Sinn,…wem gelingt dies wohl besser als dem echten Johanniskraut, Hypericum perforatum, einer Heilpflanze, die den Sommer symbolisiert, die Sonne in sich trägt und für kältere Tage speichert.
Das echte Johanniskraut trägt auch den Volksnamen Hartheu, Johannisblut, Tüpfelkraut, Nervenkraut oder Sonnwendkraut. Es stammt aus der Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae).
Die Pflanze bevorzugt sonnige Standorte an Weg- und Waldrändern mit humosen, durchlässigen Böden, die auch leicht sandig sein dürfen. Bei uns hat es sich in der Blumenwiese angesiedelt.
Das Johanniskraut trägt zur Blütezeit um die Sommersonnwende herum goldgelbe Staubgefäße, die wie Sonnenstrahlen aus der Blüte herausragen.
Ein typisches Erkennungsmerkmal des echten Johanniskrautes sind die wie perforiert wirkenden Blätter, daher auch der Name Tüpfelkraut.
Man erkennt diese Löcher als transparente bis schwarze Punkte besonders gut, wenn man sie gegen das Licht hält.
Es sind Öldrüsen, die auch an den Blüten vorkommen. Das in ihnen enthaltene Hypericin ist für die Rotfärbung der Hände verantwortlich, wenn man sie zerreibt.
Die Blüten des Johanniskrauts (nicht zu verwechseln mit jenen großblütrigen Stauden, die im Garten wachsen), sind auch ein gern genutzter Nektarspender für Bienen und Insekten und bilden nach der Bestäubung kleine runde Früchte aus.
Die Blütezeit des heilsamen Krautes ist von Juni bis August, wobei der Blühbeginn um den Johannistag herum, dem 24. Juni, ist. Dieser Tag steht in enger Verbindung mit der Sommersonnenwende, daher auch der Name Sonnwendkrau. Zu dieser Zeit gepflückt, wirkt das Kraut besonders heilkräftig.
Früher (und auch heute) wurde es gerne in Sommersonnwendsträuße gebunden zusammen mit weiteren Heilkräutern wie Beifuß, Kamille, Eisenkraut und Holunder.
Als Heilpflanze hat das Kraut eine lange Tradition.
Die Inhaltstoffe wirken entzündungshemmend, antibakteriell und durchblutungsfördernd.
Ein so genanntes „Rotöl“ welches in Verbindung mit Blüten, Öl und Sonnenlicht steht, besticht durch seine rote Farbe und eignet sich zur Behandlung von Wunden, zur Narbenpflege, bei leichten Verbrennungen, als Einreibemittel gegen Nacken- und Rückenschmerzen, bei rheumatischen Beschwerden.
Johanniskraut gilt auch als pflanzliches Antidepressivum, das die Stimmung aufhellen und nervöse Unruhe lindern kann.
Eine Wirkung tritt nicht sofort ein und bitte immer Vorsicht walten lassen!
Johanniskraut kann mit vielen Arzneimitteln wie hormonell wirksamen Präparaten, Psychopharmaka, Blutverdünnern oder Herzmedikamenten bei gleichzeitiger Einnahme wechselwirken, das heißt eine Wirkung abschwächen.
Ab dem 16. Jahrhundert empfahlen Kräuterkundige wie Paracelsus Johanniskraut bei melancholischen Verstimmungen.
„Arnika der Nerven“, nannte Hildegard von Bingen das Heilkraut.
Der Inhaltsstoff Hypericin wirkt allerdings auch photosensibilisierend und macht daher lichtempfindlich, besonders bei hellhäutigen Hauttypen.
Eine Kombination mit Sonnenlicht und UV-Strahlung kann zu verbrennungsähnlichen Symptomen der Haut führen.
Dies gilt sowohl für die innere Einnahme als auch für das Auftragen von Ölen und Tinkturen.
Als Arznei wird das ganze Kraut genutzt, also alle Pflanzenteile außer der Wurzel.
Es enthält unter anderem rote Farbstoffe wie Hypericin und Hyperforin und Flavonoide. Flavonoide sind eine Gruppe von Naturstoffen, zu denen ein Großteil der Blütenfarbstoffe gehört.
Gesammelt werden sollte am besten in den Morgenstunden nach sonnigen Tagen, da dann der Anteil des Hypericins am höchsten ist.
Es wird das obere Drittel der Triebe samt Blüten und Knospen abgeschnitten. Nach der Ernte sollten Blätter und Blüten schnell verarbeitet werden, um die Inhaltsstoffe zu bewahren.
Für Rotöl werden die Blüten in ein Weißglas gegeben, mit Öl aufgegossen und für zwei Tage lang mit einem Küchentuch luftig abgedeckt.
Danach kommt der Schraubdeckel auf das Glas. Wichtig ist, hochwertiges naturbelassenes, nicht raffiniertes und vor allem oxidativ stabiles Öl zu verwenden wie beispielsweise Olivenöl, Sesamöl oder Jojobaöl.
Nun können die Pflanzen in der Sonne oder auch an einem hellen Platz für sechs bis acht Wochen „ausgezogen“ werden, wodurch es zur Umwandlung von Inhaltsstoffen kommt und dadurch nach und nach (bei gelegentlichem Schütteln) die tiefrote Farbe entsteht.
Danach kann gefiltert und in ein dunkles Glas umgefüllt werden.
Auch ein Johanniskrauttee ist möglich, der aus getrockneten Blüten oder Blättern hergestellt wird. Er kann hilfreich sein bei Erschöpfung, Stimmungstiefs und Schlafproblemen.
Johanniskraut, ein wunderbares Heilkraut mit einer Fülle an positiven Eigenschaften, deren Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abgewogen werden sollten.