Buchvorstellung Zweihundertneunzehn Quadratmeter Glück.

Heute möchte ich gerne ein Buch vorstellen, das mir sehr gefallen hat.
Zweihundertneunzehn Quadratmeter Glück! Wenn Frauenpower ein altes Stadthaus saniert.
Ein Projekttagebuch.
Die Autorin heißt Juli Norden, es ist kürzlich im Diametric Verlag erschienen.

Man muss keine handwerklichen Ambitionen haben, um das von Buch von Juli Norden zu mögen.
Mit Herzblut und Leidenschaft erzählt sie, wie sie ein altes Stadthaus gekauft hat, um ein neues Zuhause zu schaffen.

Es ist nicht das erste Mal. Bereits vor Jahren hatte sie ein älteres Haus für sich und ihre Kinder erworben, um es von Grund auf zu sanieren. Doch die Umstände zwangen sie, sich nach einiger Zeit zu verkleinern, da die Arbeit übermächtig wurde mit dem großen Garten.
Danach folgte eine Wohnung, ohne Balkon, mit Nordseite.
Der Wunsch entsteht, sich wieder etwas Neues zu suchen, wo sie dauerhaft bleiben könne.
Ein Stadthaus mit Balkon und großer Terrasse?
Mit einem heimeligen Ofen, der viel Wärme spenden würde. Mit Holzscheiten, die dazu einladen würden, sie aufzuschichten, das Streichholz zu entzünden. Durch die Glastür zu beobachten, wie die Hölzer zu glühen beginnen würden, das Knistern zu hören.

Ihr Wunsch nimmt Form an.
An einem wunderschönen Sommertag entdeckt sie ihr Traumhaus mitten im Stadtkern eines kleinen Städtchens an der Mosel.
Baujahr 1903. Sechs Zimmer, Balkon und Terrasse und eine Garage.
Nur für sie alleine.
Ist es das, wonach sie sich gesehnt hat?

Recht schnell werden die Formalitäten abgewickelt.
Die Prioritätenliste  ist lang. Die Heizung soll erneuert werden, die Fenster, die Elektrik. Holzdielen sollen die Räume behaglich machen, der Balkon  bekommt eine neue Abdichtung, ein modernes Bad ist geplant.
Nur flüchtig streift sie der Gedanke, das Projekt könne eine Nummer zu groß sein.

Nun geht es darum, den Charme des alten Hauses einzufangen. Dies gelingt mit Hilfe einer Kamera, um Vorher-Nachher Bilder zu machen, und mit behutsamer Modernisierung.

Ende Februar, als die Tage noch kurz und kalt sind, geht es langsam los.
Renovieren steht auf der Tagesordnung, wobei sie vieles selbst macht vom Abkratzen der alten Tapeten, Herausschlagen der Fliesen, Abschleifen der Holztreppen bis hin zum abschließenden Streichen von Decken und Wänden.
Sie freut sich darauf, sechs Zimmer bewohnen zu dürfen. Platz hätte sie dann und ihre alte Leidenschaft für Flohmärkte flackert auf.
Aus Alt wird Neu. In jeder Hinsicht.
Und nicht zuletzt bringen die Arbeiten am Haus, bei denen viele Freunde mithelfen,  auch sie und ihre beiden Kinder wieder näher zusammen, das wohl größte Geschenk.

Trotz all der Mühen nach Feierabend und am Wochenende, der Staubwolken und Schuttberge bleibt immer Zeit für einen Becher Kaffee.
Nun schon auf der neuen Terrasse eingenommen, denn Frühling ist über das Mosel-Tal  eingezogen. Die Japanische Zierkirsche vor ihrem zukünftigen Küchenfenster entfaltet rosa Knospen

Langsam wird es eng, kann Juli Norden den Umzugstermin Ende Juli einhalten? Eine Erkältung legt sie flach und auch ein Sturz von der Leiter mit verletztem Bein kostet sie einige Tage.

Es ist Anfang April, der üppige Rosenbusch, der an der Garage zur Terrasse hochrankt, beginnt bereits zu blühen und entfaltet  einen betörenden Duft.

Tag für Tag ändern sich kleine Details. Großzügige Dachflächenfenster werden eingebaut und machen das Haus noch heller. Das Dach wird gedämmt. Es geht zügig voran.
Nun fehlt noch der Anstrich der Wände und Decken in Küche und Wohnzimmer. Farbe kommt ins Spiel und zaubert eine behagliche Atmosphäre.

Hochsommer, es wird heiß und Juli Norden verkürzt ihre Arbeitszeit im Büro, um den Endspurt zu schaffen. Die vielleicht letzte, entscheidende Frage taucht auf, wie die Fassadenfarbe ausfallen soll. Es wird eine überraschende Kombination, die sich vom Straßenbild abhebt.

Es ist geschafft. Die Renovierungen sind bis auf ein paar Feinheiten abgeschlossen.
Umziehen, ankommen und aufatmen, auch wenn die Inneneinrichtung noch gestaltet werden muss.
Aber zwischen all den Aufgaben findet Juli Norden immer Zeit, einen wenn auch flüchtigen Blick von ihren neuen Terrassen über die Moselgasse zu werfen und den Leser teilhaben zu lassen an der Landschaft  in wechselnden Stimmungen.

Angekommen.
Draußen scheint die Herbstsonne. Sie nähert sich den Baumwipfeln, die das Moseltal einrahmen.
Der erste Nebel taucht auf, lässt Winter erahnen. Das Wort Muse bekommt eine neue Bedeutung.
Juli Norden genießt die Stille zwischen den Jahreszeiten. Hier in der Moselgasse findet sie das, was sie vor Jahren verloren geglaubt hatte.
Angekommen im neuen, alten Zuhause mit dem sicheren Wissen, alles richtig gemacht zu haben.

Hoffentlich habe ich nicht zu viel verraten.

Zweihundertneunzehn Quadratmeter Glück! Wenn Frauenpower ein altes Stadthaus saniert.
Ein Projekttagebuch.
Diametric-Verlag
September 2019
Überall im Buchhandel zu bestellen  für Euro 12,98 (Print) oder Euro 7,99 (eBook)

Wie es Juli Norden heute geht?
Nachdem 2019 die hintere Fassade neu gemalert wurde; fertig und rundum glücklich! Alles richtig gemacht.

In den Trögen auf der kleinen Terrasse von der Küche zieht sie Kräuter wie Koriander, Schnittlauch, Thymian, Rosmarin, Oregano, Salbei, Sauerampfer, Bärlauch und Waldmeister.
Als Rosenliebhaberin sind eine Vielzahl von Rosen aus alten Züchtungen in Kübeln gepflanzt, die Juli Norden aus der alten Heimat mitgebracht hat.
Zurückgeschnitten und gut abgedeckt überwintern sie im Freien, um im Frühjahr und Sommer  neu aufzublühen.
Die Heckenrose, die an der Garage und am Terrassengeländer hochrankt, blüht rosafarben und setzt im Herbst mit ihren roten Hagebutten leuchtende Akzente.
Hortensien und Lavendel gesellen sich dazu.

Früher hatte sie einen riesigen Garten mit vielen Obstbäumen und Beerenstäuchern, den sie neben Kindern, Hund und Vollerwerbsjob versorgen musste. Heute erfreut sie sich an ihrem vielfältigen Topfgarten, der sich über zwei Terrassen und einen Balkon erstreckt. Die freie, wilde Natur an der Mosel ist unmittelbar vor ihrer Haustür.
Also auch hier alles richtig gemacht.

 

 

 

 

 

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