Pulmonaria officinalis – echtes Lungenkraut

Das gefleckte Lungenkraut, auch echtes Lungenkraut genannt, ist eine der ersten Stauden, die sich in unserem Garten zeigt.

Schneeglöckchen, Krokusse, Alpenveilchen (Cyclamen coum)und Lerchensporn tupfen Farbe in die Beete, nun gesellt sich auch das Lungenkraut mit seinen rosa- oder violettblauen Blüten und den hübsch gepunkteten Blättern hinzu.
Auch Hummeln und andere pollensuchende Insekten freuen sich über das frische Nahrungsangebot im zeitigen Frühjahr.

Als Waldstaude besiedelt das Lungenkraut aus der Familie der Raublattgewächse gerne halbschattige Standorte mit frischen, feuchten kalkhaltigen Böden. Dort breitet es sich teppichartig aus.

So bereichert es naturnah angelegte Gartenbereiche an Gehölzrändern.
Es passt gut zu Kaukasischem Vergissmeinnicht, zu Frühlingsplatterben und Duftveilchen, die nun im Frühling licht und farbenfroh erscheinen.

Lungenkraut ist eine alte Heilpflanze, schon bei Hildegard von Bingen galt sie als klassisches Mittel zur Stärkung der Atemwege, insbesondere bei Husten, Bronchitis, Verschleimung und Atemnot.
Zwischenzeitlich ist eine gesundheitliche Wirkung umstritten, es wird aber immer noch zur Herstellung von Tees, Hustenbonbons und homöopathischen Arzneimitteln verwendet, um Entzündungen und Hustenreiz zu lindern.

„Hänsel und Gretel“ lauten die Volksnamen, Blaue Schlüsselblume, Fleckenkraut, Himmelschlüssel, Lungenwurz.
All diese Bezeichnungen zeugen von einer althergebrachten Nutzung der Pflanze.

Die weißen Punkte auf dem Blatt des Lungenkrauts sind auch Namensgeber der Pflanze, da man sie im Mittelalter als eine „Signatur“ für Lungenbläschen ansah und folglich als Heilpflanze für Lungenerkrankungen aller Art deklarierte.

Ein Wort zur Signaturenlehre:
Was verrät das Aussehen einer Pflanze über ihre Heilkraft?
Warum sagt ein Pflanzenname so viel aus?
Unsere Volksmedizin basiert in erster Li­nie auf dieser Signaturlehre, deren Begründer der mittelalterliche Arzt (auch Alchemist und Naturphilosoph) Pa­racelsus (1493 bis 1541) war.
Er schrieb: „Den Pflanzen sind Kennzeichen mitgegeben, die darauf hinweisen, wofür sie dem Menschen dienen können, der Mensch muss nur lernen, diese Kennzeichen zu lesen.“

Hatten Pflanzen Ähnlichkeit mit einem menschlichen Körperteil, wurde eine besondere Eignung für die Behandlung bestimmter Krankheiten abgeleitet.
Auch Farbe, Geruch, Duft oder Standort wurde mit einbezogen.

Aufgrund enthaltener Schleimstoffe und Saponine wirkt das echte Lungenkraut reizlindernd, auswurffördernd und entzündungshemmend. Es wird als Tee oder Tinktur bei Husten, Bronchitis, Heiserkeit und Halsschmerzen angewendet.
Das raue Blatt weist auf einen hohen Gehalt an Kieselsäure hin (bindegewebestärkend), wie es auch bei Beinwell gegeben ist.

Warum nun wechseln die Blüten ihre Farbe von rosa auf blau?
Die Blüten enthalten Farbstoffe (Anthocyane), die empfindlich auf den pH-Wert im Zellsaft reagieren.
Wenn sich die Blüte öffnet, ist der Zellsaft zunächst saurer, sie erscheint rosa. Mit zunehmendem Alter steigt der pH-Wert im Zellsaft und die Blüte wechselt ihre Farbe zu violett bis blau.
Dies ist ein Signal für Bestäuber: denn rosa Blüten sind frisch, sie versprechen viel Nektar, blaue Blüten sind älter, haben nur noch wenig Nektar (und sind vielleicht schon bestäubt). Bienen erkennen diese Farbunterschiede gut und fliegen bevorzugt die lohnenden Blüten an. So spart die Pflanze Energie und wird effizient bestäubt.

Uraltes Wissen wieder aufleben zu lassen, die Zeichen der Natur zu deuten und Botschaften zu verstehen.
In der Signaturlehre geht es um das Wesen einer Pflanze und die dadurch repräsentierten komplexen Kräfte.
Pflanzen, im besonderen Heilpflanzen, werden mit ganz anderen Augen wahrgenommen und es wird somit eine völlig neue Seite entdeckt.

 

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