Feli im Garten – Vorwort

Felicia ist unser kleines, grau weiß getigertes Kätzchen, welches nun neun Monate alt ist. Wir haben sie als Babykätzchen mit zwölf Wochen aufgenommen und ihr ein neues Zuhause geschenkt.

Warum? Weil ich mir ein Leben ohne Fellnase nicht mehr vorstellen kann, nachdem Geany, unsere erste Katze, vierzehn Jahre eine treue und liebevolle Begleiterin war und unser Haus mit Leben gefüllt hat.
Wie heißt es so schön? „Das  letzte Kind trägt Fell.“
Als glückliche Freigängerin, vor allem auch dann, als wir unseren Garten vergrößern konnten.

Was gab es nicht alles zu entdecken, ein Paradies an Verlockungen für kleine Samtpfoten.
Wasserstellen, die Geany zum Trinken benutzte und friedlich mit ihren gefiederten Genossen teilte. Kleine Teichbecken, auf dessen Steinen Geany sich sonnte, umschwirrt von schillernden Libellen.
Eine duftige Blumenwiese, mit hohen Halmen und seidigen Blüten, zwischen denen sie sich versteckte und wohlig räkelte.
Kräuterbeete, durch grobkörnigen Kies und kleine Findlinge abgegrenzt, die auch an kühlen Tagen die Sonne speichern und Wärme abgeben.
Minze zum Naschen in Hülle und Fülle in zahlreichen Beeten und Töpfen gepflanzt. Zum darin Wälzen und sinnlichen Massieren, da Katzen es lieben, ihr Fell  mit den Duftstoffen einzureiben und sich zu berauschen.
Große Bäume mit ausladenden Kronen,  die in der sommerlichen Hitze Schatten spenden. Griffige Baumstämme, zum Klettern und zum Balancieren geeignet, denn Totholz wird überall im Garten gelagert und dient zur Gestaltung von einzelnen Bereichen.

Nach zwei Monaten der Trauer erlaubte ich mir den Gedanken an ein neues Kätzchen zaghaft zuzulassen. Ich hielt die Augen auf und fand recht schnell Gefallen an einer einjährigen getigerten Katze aus einem Tierheim auf dem Land.
Ein wenig skeptisch und resigniert blickte mich das gescheckte Kätzchen aus großen grünen Augen an.
Kitty rührte mich in der Seele, denn sie hatte vier Junge zur Welt gebracht und wurde mit ihrem Nachwuchs im Wald ausgesetzt. Spaziergänger fanden die kleine Familie und brachten sie in Sicherheit.

Kitty zog in unser Heim und ich war nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr glücklich mit ihr.
Warum Schwierigkeiten? Weil Kitty nicht Geany war. Die Zeit der Trauer war schon gut gewesen, denn ein Kätzchen lässt sich nicht einfach durch ein Neues ersetzen.

Kitty folgte mir auf Schritt und Tritt und war selig, ein schönes Zuhause gefunden zu haben. Nach den leidvollen Erfahrungen, die Kitty mit Sicherheit in ihrem kurzen Leben gemacht hat, wollte ich sie entschädigen und alles in meiner Macht stehende tun, um sie glücklich zu machen.
Noch erfüllender hätte Kitty es allerdings gefunden, den Garten nach Herzenslust zu erobern. Sie kannte ein Leben in Freiheit.
Doch erst wollten wir sie an das Haus gewöhnen und auch an ihren Namen.

An Ostern war es soweit. Bei wunderbarem Frühlingswetter durfte Kitty das erste Mal ungehindert ins Freie hinaus.
Verwundert und ein wenig zögerlich schlenderte sie auf dem alten Kopfsteinpflaster den geschlängelten Gartenweg in Richtung Teich, inspizierte die Kräuterbeete, hielt kurze Rast auf einem der Trittsteine, die zum Gemüsebeet führen. Andächtig, wie unter Drogen und leicht verzückt, schnüffelte Kitty an einer Ranke des Efeus, der in den großen, uralten Fliederbuschen hineingewachsen ist, entdeckte eine kleine Lücke am Zaun und  war überall zu finden,  nur nicht in unserem Garten.

Es wurde heiß und Kitty kam erschöpft und zuverlässig in den späteren Mittagstunden zurück und genoss die dämmrige Kühle des Hauses.
Nun war auch meine Welt wieder in Ordnung.

Nach vier Wochen des Freiganges geschah das Unfassbare, Kitty kehrte auch nach vielen Rufen nicht mehr nach Hause zurück.
Hatte sie sich, neugierig und leichtsinnig wie sie war, in einen Keller verirrt und war eingeschlossen worden?
Sehr schnell stellte sich heraus, dass Kitty am frühen Vormittag zwei Häuser weiter von einem Auto erfasst worden war.
Das eine Auto auf der wenig belebten Straße zu einer ruhigen Zeit des Tages hatte gereicht.

Es war nur eine kurze Phase des Glückes mit Kitty gewesen, so schnell vorüber wie ein Sonnenstrahl, der sich an einem trüben Tag durch die Wolkendecke schiebt und hell aufblitzt.

 

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