Kätzchen an der Leine

Es ist nicht alltäglich oder selbstverständlich, eine Katze an der Leine auszuführen.

Aber wenn die Gefahren zu groß sind oder in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht wurden, ist dies eine echte Alternative, dem Stubentiger Abwechslung zu schenken.

Feli ist es von Klein auf gewöhnt.
Nicht immer ist sie allerdings in Laune, sich das Brustgeschirr anlegen zu lassen. Es ist Tageszeiten abhängig.
Am Vormittag läuft sie weg und führt einen Tanz auf. Nachmittags gibt es selten Gemurre, wenn ich die beiden Riemen verschließe, wobei ich sie immer mit einer Leckerei belohne. Dann klicke ich die dünne Leine an.
Auch wenn wir beide nach unseren Ausflügen wieder ins Haus kommen, wird Feli gehörig gelobt. Mit glänzenden Augen wirft sie sich auf den Boden und beginnt sich ausgiebig zu putzen.

Unser Garten ist groß genug für ausgedehnte Katzenrunden, was natürlich nicht immer der Fall ist.
Aber auch kleinere Gärten bieten Platz für versteckte Nischen, Baumstämme zum Balancieren, Totholz, raschelige Blätter, Laubhöhlen, Wasserstellen oder gar kleine Teiche als natürlicher Trinkbrunnen. Auch der Komposter aus Naturholz ist beliebtes Klettergerüst für bewegungsfreudige Kätzchen.

Feli kann minutenlang an sprießenden Knospen schnuppern, geradezu verzückt. Auch der aromatische Duft von Katzenminze wirkt euphorisierend auf sie.
Oder sie starrt nach oben in die Baumkronen, wobei ich ihrem Blick folge. Was sieht sie nur?

Ab und zu kommt es auch vor, dass Feli sich mit ihrer Leine an einem kleinen Busch verheddert und so aus dem Geschirr gleitet.
Die Leine befestige ich manchmal zu Beginn der Gartenrunde an einem Pfosten vor der Küche, wobei ich sie im Auge habe.
Was aber geschieht, wenn ich schnell Jacke und Stiefel hole oder noch kurz beschäftigt bin?

Dann ist der innere Zwiespalt entscheidend, ob ich zeitsparend ohne Schuhe durch den Schnee schlittere oder wertvolle Minuten vergeude.
Im ersten Moment ist Feli perplex und etwas verwundert aufgrund des leinenlosen, federleichten Gefühls.
Sie löst sich aus ihrer Starre im gleichen Moment, in welchem ich hinausstürze, und schon ist sie weg. Sie pflügt durch den hohen Schnee, schlägt den Weg am Teich ein.
Wo ist sie jetzt? Es wirbelt Flocken und ich sehe keine Katze.

Zum Glück erkenne ich Spuren im Schnee, folge ihnen mehr oder weniger blind in Richtung der Gemüsebeete.
Dabei fällt mir völlig nebensächlich auf, wie hübsch unser Kätzchen aussieht ohne das einengende Geschirr. Fülliger, flauschiger, fast wie ein fremdes Wesen.
Unter der großen Fichte auf einem Baumstamm verharrt unsere Samtpfote. Etwas zusammengekauert und leicht verwirrt.
Anstandslos lässt sie sich von mir aufnehmen und ich trage sie rasch ins sichere Haus.

Aufregend sind unsere gemeinsamen Spaziergänge eigentlich immer.
Wobei Felicias Baumbesteigungen routinierter geworden sind. Sie springt nur noch halbhoch, klammert sich mit ihren spitzen Krallen an der Rinde fest, beäugt die Welt von oben und gleitet wieder hinunter.

Kritisch wird es, wenn Coco, die Nachbarskatze, uns auflauert. Und das kommt nahezu täglich vor.
Der Kater ist braun getigert und hebt sich kaum von seiner Umgebung ab.

Arglos sitzen Feli und ich auf einem Baumstamm und hängen unseren Gedanken nach. Plötzlich taucht ein Schatten auf.
Feli kreischt auf, ich klaube panisch Zapfen auf, die überall im Garten verstreut sind. Samtpfote nimmt konditioniert die Fährte auf, wobei der Kurs in Richtung Küche zum Spiel wird. Einige Etappen sind es, doch wir schaffen es Coco abzuhängen.

Manchmal wählt unser Kätzchen lieber die Route ums Haus herum, wo einige Beete angelegt sind. Hier ist es sonnig, windstill und regengeschützt.
Das ausgebrachte, duftende Mulchmaterial ist weich und lädt dazu ein, sich ungestört der Morgen- oder auch Abendtoilette zu widmen, was ein positiver Nebeneffekt von Leinengängen ist.

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