Aussprache

Auf der Baustelle gibt es ein wenig Stress.
Das Team der Gartenbauer hat nicht geahnt, wieviel Arbeit in Wirklichkeit auf sie zukommen wird.
Ursprünglich hieß es nur die alten Obstbäume zurechtzuschneiden, den Zaun abzureißen und die beiden Gärten zusammenzuführen.
Das macht die Koordination schwierig, da sie ihre Termine fixieren und auch einhalten müssen.

Herr Gregori hat die Pläne etwas zurückgehalten und auch Frank und ich sind nicht so recht mit der Sprache herausgerückt. Zum Teil konnten wir unsere Wünsche gar nicht formulieren, nur vage andeuten in einer gewissen Sprachlosigkeit.
Auch darf nicht vergessen werden, dass sich der Garten nur langsam entwickeln kann, um dabei nach und nach zu seiner für ihn typischen Gestalt zu finden. Abhängig von den Gegebenheiten bereits vorhandener Bäume und Sträucher, den Lichtverhältnissen, unseren Wünschen und natürlich dem Budget.

Herr Gregori kommt am späten Nachmittag, um die etwas angespannte Lage vor Ort zu besprechen.
Frank und Herr Gregori sitzen bereits auf der Terrasse, um den Gartenplan durchzugehen, ich stoße ein wenig später hinzu.
Das Team macht eine Pause, steht unschlüssig vor dem Bagger und den neu errichteten Zaunpfosten.
Der junge Steinmetz, der als Verstärkung hinzugezogen wurde und das Fundament für die Hütte aus Teilen des alten Mäuerchens gebastelt hat, dreht sich nervös eine Zigarette und nimmt einen tiefen Zug.  Seinen Rucksack hat er schon gepackt. Er ist aufbruchsbereit.

„Und hier käme der Teich hin“, denkt Herr Gregori laut, ohne sich auch nur im  Geringsten von der gedrückten Stimmung anstecken zu lassen, und zeichnet mit dem Finger die imaginäre Stelle auf dem Plan nach. Bedächtig nimmt er ein paar Schlucke Apfelsaft zu sich, den ich ihm eingeschenkt habe.
„Tümpel“, korrigiere ich leise.
„Tümpel, natürlich!“, stimmt er lächelnd zu.

Mir war dennoch nicht bewusst, dass der Tümpel solch ein Ausmaß einnehmen würde.
„Dann könnte ich ja doch noch schwimmen“, freue ich mich und spüre den Schlick an den Füßen.
„Ja“, schmunzelt Herr Gregori, „zum Erfrischen würde es schon reichen.“

Herr  Gregori fährt ein paar Millimeter weiter auf seinem bunt gefärbten Plan.
„Hier in etwa wäre der gebohrte Grundwasserbrunnen und hier das kleine Auffangbecken. Es könnte ein Ring sein, der ebenerdig in der Erde eingesetzt wird oder auch erhöht liegt.“ Fragend sieht er mich an.

Ich bin schlichtweg entsetzt.„Dann fällt ja die Katze hinein!“, stoße ich aufgebracht hervor.
„Die Katze kann sich gut retten“,  versucht er mich zu beruhigen, „schwieriger ist es für Igel und kleines Getier.“
„Aber dann müsste ich mich ja bis zum Boden bücken, wenn ich mit der Kanne Wasser schöpfen und gießen möchte?“, spanne ich den Bogen nachdenklich weiter.
Frank entgegnet in seiner für ihn typisch nüchternen Weise: „Es wird doch mit dem Schlauch gegossen und nicht mit der Kanne.“
„Aber nein“, kläre ich die beiden Herren mit fester Stimme auf, „so macht es keinerlei Sinn! Die Kräuterbeete gleich hier am Zaun oder das Gemüse im Nutzgarten müssen mit der Kanne bewässert werden. So wie es früher in den Klostergärten auch gemacht wurde. Dies hat spiriturellen und meditativen Wert.“

Herr Gregori erkennt meinen Zwiespalt, in dem ich mich befinde, und pflichtet mir zustimmend bei. „Dann nehmen wir zusätzlich noch ein kleines Becken aus Granit“, setzt er rigoros fest. „Das wird dann natürlich teurer.“

Aber auch viel schöner, vervollständige ich im Geheimen den Satz.

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