Rauchzeichen

Nachdem geklärt ist, dass für die Sicherheit aller Haus- und Gartentiere in nächster Umgebung gesorgt ist, wenden wir uns der Frage der Feuerstelle zu.

„Wir hätten so gerne eine kleine Stätte aus Steinen, um ein wenig zu Räuchern. Würde das passen?“, erkundigt sich Frank.
„Aber natürlich“, entgegnet Herr Gregori leichthin und späht hinüber zum Bagger, um den sich die Männer geschart haben.
Eine Menge Schutt ist durch die Grabearbeiten bereits zu einem Berg aufgeschüttet.

„Wir nehmen die größeren Brocken als Fundament und schichten oben kleine hübsche Findlinge auf. Wenn Sie ein Gitter aus dem Baumarkt besorgen, können Sie auch gleich Ihre Schnitzel grillen. Aus welcher Richtung bläst normalerweise der Wind?“ Nachdenklich blickt er sich um.
„Von Westen her“, deute ich in einer vagen Handbewegung an und bin erleichtert, denn dann bläst der meiste Rauch auf unser eigenes Haus, bei dem Fenster und Türen wohlweislich geschlossen sind.

Ich bemerke, dass die Mannschaft drüben im Garten unruhig auf der Stelle tritt, da der Feierabend längst eingeläutet ist.
„Die Männer möchten heimgehen, sollen wir nicht nach drüben gehen?, schlage ich sanft drängend vor und wir Drei machen uns auf den Weg.
Zielsicher trifft Herr Gregori den einzigen Rest einer kleinen Wurzel, die beim Planieren stehen geblieben ist. Er strauchelt ganz kurz.

„Wenn ich das eher gewusst hätte, dann hätte ich die Arbeiten ganz anders geplant“, meint der Chef der Gartenbauer ein wenig unwirsch und kräuselt verärgert die Stirn. Er meint den Tümpel.
Ungerührt schreitet Herr Gregori die nierenförmigen Umrisse des fiktiven Tümpels ab. Rasch reiche ich Frank ein paar Scheite des gesägten Holzes, um grob die Form zu skizzieren.

„Was wir noch brauchen sind Bruchsteinplatten um den Teich herum und ein paar größere Findlinge, auf denen man sitzen kann“, ordnet Herr Gregori an und erweitert so die Posten auf unserer Wunschliste. Unbehaglich sehe ich zur Seite.
Nachdem auch geklärt ist, dass Bruchsteinplatten aus Granit als Trittsteine zum Tümpel gelegt werden und ein Plätzchen zum Sitzen neben der Feuerstelle befestigt werden wird, entspannt sich die Lage nach kurzem Luftholen etwas, da die Fakten in ihren vollen Tragweite offengelegt sind.

„Was machen wir mit dem Aushub, das ist doch alles nur Schutt!“, moniert Herr Elau, der Chef der Gartenbauer, mit ärgerlich erhobener Stimme.
„Aber nein“, korrigiert Herr Gregori überzeugt, „da wird auch Erde zum Vorschein kommen und die benutzen wir, um das Gefälle noch etwas anzugleichen. Hier ist das Gelände viel zu steil!“
Sein Finger zeigt pfeilgerade hinüber auf die Stelle, wo der Gartenschlauch liegt.
Das Team der Gartenbauer verabschiedet sich hastig und zieht ab in den Feierabend.

„Wie lange halten die Strauchrosen noch durch?“, frage ich Herrn Gregori besorgt und bewusst das Thema wechselnd, da sie ebenso wie der ausladende Fächerahorn und einige Hortensien noch immer im Zwischenlager am zukünftigen Maschendrahtzaun untergebracht sind.
Es wird wärmer und wärmer, die Jahreszeit schreitet zügig voran und die Tage sind gezählt, an denen unbesorgt verpflanzt werden kann.
„Die Heckenrosen müssen eh beschnitten werden, da sie bereits so viel Laub tragen, so dass zu viel Wasser verdunstet. Darum sind sie auch so welk.“ Nachdenklich betrachtet Herr Gregori die hochgewachsenen Pflanzen.

Ich gebe mir aber auch selbst im Stillen eine Antwort.
Solange keine Bruchsteinplatten gesetzt sind, die sich bis zum Tümpel schlängeln, der Tümpel selbst nicht ausgehoben, der kleine Sitzplan nicht befestigt, die Feuerstelle angedeutet, die Kräuter- und Gemüsebeete eingegrenzt und der Zaun nicht errichtet sind,… solange können auch keine Pflanzen an ihren endgütligen Platz angesiedelt werden.

Dennoch bin ich froh und erleichtert, dass nun endlich all unsere Wünsche und die Vorstellungen unseres Architekten zur Sprache gekommen sind, um letztendlich auf einen gemeinsamen Nenner gebracht zu werden.
Das Läuten der  Abendglocken mahnt zudem, wie spät es bereits geworden ist…

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